Camelot: Sagenhafter Hof von König Artus

Auf Camelot soll einst der sagenhafte König Artus seine Ritter der Tafelrunde versammelt haben. Doch über seinen wahrscheinlichen Standort wird ebenso viel gestritten wie über die mögliche Existenz von Artus selbst.

Der Begriff Camelot steht nicht einfach nur für einen Ort aus der englischen Mythologie, sondern stellvertretend für einen ganzen Sagenkreis, dessen Hauptfiguren heute auch über die Grenzen Europas hinweg bekannt sind. Dabei taucht der Name Camelot in den frühesten Überlieferungen über die Abenteuer des König Artus, die wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert stammen, noch gar nicht auf. Erst französische Schriften aus dem 12. Jahrhundert erwähnen den sagenumwobenen Ort, der später zum Synonym für heldenhafte Ritterburgen wurde.

Arthur und die Tafelrunde: Camelot in der Mythologie

Es war ein Heldengedicht, das wohl zwischen 1177 und 1181 entstand, in dem Camelot erstmals Erwähnung fand: „Der Karrenritter“ („Le Chevalier de la charrette“) war die dritte Schrift über König Artus, die der Autor Chrétien de Troyes verfasst hatte. Hier gibt er erstmals einen Namen für den Hof an, an dem der legendäre König residiert, jedoch noch ohne nähere Beschreibungen oder einen Hauch der besonderen Bedeutung, welche dieser Name später einmal erlangen sollte. Zumal Camelot hier nur einer von vielen Höfen war, die der Herrscher – wie es sich für seinen Stand geziemte – unterhielt.

Im 13. Jahrhundert wurde Camelot jedoch immer wichtiger und zog schließlich an Caerleon, einer zweite Residenz Arthurs, welcher bisher die größere Bedeutung beigemessen worden war, vorbei – Interessanterweise jedoch zuerst in französischen Schriften. Bis sich der Name auch in der englischsprachigen Sagenliteratur durchsetzte, dauerte es noch etwas länger. Doch es war ein Brite, der schließlich das Camelot schuf, wie wir es heute kennen: Basierend auf englischen und französischen Überlieferungen in Kombination mit seinen eigenen Ideen berichtete Sir Thomas Malory in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von König Artur und den Rittern der Tafelrunde. In seinem Epos „Le Morte d’Arthur“ beschreibt er, wie die Ritter auf Camelot zusammenkommen und hier ihren Eid schwören.

Forscher auf der Suche nach dem realen Camelot

Malory selbst identifizierte Camelot als die heutige Kathedralenstadt Winchester im Süden Englands, und diese Verbindung blieb über lange Zeit bestehen. Doch auch die Beschreibung des Gelehrten Geoffrey von Monmouth blieb interessant: er hatte bereits im 12. Jahrhundert den Ort Caerleon in Wales, genauer gesagt die dortige Ruine eines antiken Amphitheaters, als ständigen Sitz König Arthurs beschrieben, nur tauchte in seiner Schrift der Name Camelot eben noch nicht auf.

Im Laufe der Zeit versuchten sich Viele an der Lokalisierung der sagenhaften Königsburg, sodass auch die Ruinen von Cadbury Castle in Somerset, das nur noch spärlich erhaltene Castell Dinas Brân, die einstige römische Siedlung Viroconium bei Wroxeter, die bisher nur zum Teil freigelegt wurde, die Region um Carlisle nahe der englisch-schottischen Grenze, der Ort der heutigen Stadt Colchester in Essex sowie die Überreste von Tintagel Castle in Cornwall, wo auch die Geburtsstätte des mythischen Königs vermutet wird, mit der Artus-Sage in Verbindung gebracht wurden. Wo das reale Camelot sich tatsächlich verbirgt und ob der legendäre Hof überhaupt einmal existiert hat, bleibt also weiter strittig, doch weder die Bedeutung noch die Popularität der Erzählung werden dadurch in irgendeiner Weise geschmälert.

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